Montag, 26. August 2013

WEISSWEIN aus dem MIDI (I)

PARCELLE SUD - Côtes du Rhône blanc 2005


Ich gebe zu, bis vor einigen Jahren wusste ich noch nicht einmal, dass es in Süd-Südfrankreich Weißweine gibt - ich meine, gute! Mit einer rieslingweinnasegeprägten deutschen überheblichen Art dachte ich: im Süden, da wächst nur breit-schlappiges Zeug. Fette Fruchtbrühen wie 'Pino Gritschio' oder getoastete Chardonnays, die eben - nach Toast schmecken. Vanille und Holzaromen, ohne jede Finesse oder dem bei uns so beliebten Säurerückgrat. Einfache Weine, die man halt zum Essen trinken kann. Vielleicht zu Meeresfrüchten oder gegrilltem Fisch. Mehr fiel mir dazu nicht ein.

Bis, ja... BIS mir ein befreundeter Weinhändler einen weißen Côtes du Rhône mit dem Namen "Parcelle Sud" von der Familie Pommier aus dem Jahre 2003 vorsetzte. Sechs-Euro-achtzig. "Im Bukett ein Anklang von Stachelbeere und Melone, im Mund adstringierend, viele Kräuternoten - Herbes - und sehr sehr lang....Wilde Kräuter und Feine Weine.... WOW!" So meine Notizen aus dem Jahr 2005.



Die uns bekannten darin enthaltenen Rebsorten hatten so poetische Namen wie Marsanne und Clairette blanc, Bourbulenc und Viognier. Allein die Aussprache klang faszinierend. Und ich begann zu recherchieren: der Name des Weingutes "Notre Dame de Cousignac" aus Bourg St. Andéol - an der Ardèche. Organic. An der Rhone gegenüber von Chateau Neuf du Pape oder auch Gigondas.

 

Terroir 


Notiz zum Boden: "Parcelles d’argile ocre-jaune et parcelles d’argile blanche. Enherbement des vignes. Terroir Argilo Calcaire, sol et sous-sol argileux." 
Argilo-calcaire? - clay and limestone. 
Übersetzt: Lehm und Kalkstein.

Cépage & Rebsorten


Auch die Rebsorten suchte ich, damals noch im alten Rebsorten-Atlas, in Lexika und schließlich im Internet. Mal ehrlich, wer hat jemals von Bourbulenc gehört? 
Welchen genauen Anteil die einzelnen Rebsorten in dieser Assemblage, bzw. Cépage, haben, wussten wir allerdings nicht. Wahrscheinlich war auch Roussanne beteiligt. Die Pommiers haben die Prozente nicht aufs Etikett geschrieben.

"Die Bourboulenc ist eine alte, relativ selten angebaute Rebsorte in Südfrankreich. Außer im Terroir La Clape wird sie selten in hohen Anteilen eingesetzt, aufgrund ihrer guten Säure schätzt man sie in der Provence und an der südlichen Rhône. Da sie Fäulnisanfällig ist und schlecht reift, bereitet sie in schwierigen Jahrgängen oftmals Sorgen.

Die Marsanne hat die empfindlichere Roussanne an der nördlichen Rhône teilweise verdrängt. Da sie zwar einen mächtigen Körper bildet, aber meist zu flachen Weinen führt wird sie meist mit der floralen Roussanne verschnitten. Im Languedoc ist sie auch öfters Verschnittpartner von Viognier und Rolle, zwei ebenfalls fruchtbetonte Sorten, denen die Marsanne den nötigen Körper vermitteln kann. Die meisten Weine aus der Marsanne sind nicht sehr lange haltbar.

Clairette, sie ist in Südfrankreich weit verbreitet und neigt zu alkoholstarken, oxidationsanfälligen Weinen. Sie gibt dort ganzen Appellationen für Schaumwein wie beispielsweise Clairette de Die ihren Namen. Meist wird sie mit Ugni Blanc verschnitten, da diese die notwendige Säure als Gegengewicht mit einbringt.

Ugni-Blanc, diese Rebsorte ist die in Frankreich am häufigsten angebaute Weißweinrebe. Man findet ihren Namen nur selten auf einem Etikett, ihr Wein speist aber die Destillen von Cognac und Armagnac. In Südfrankreich wird sie oft als Verschnittanteil im Weißwein eingesetzt.

Viognier die große unbekannte Rebe der nördlichen Rhône feiert momentan ihren Siegeszug im Languedoc. Ihre Weine sind sehr floral mit Düften nach Aprikose, Pfirsich, Blumen und exotischen Früchten. Im Midi neigen die Weine meist breit, flach und schwer zu wirken, und müssen in ihrer frühesten Jugend getrunken werden, bevor die floralen Aromen abflachen. 
Das klingt nach einer schwierigen Assemblage, oder besser gesagt: Cépage, aus empfindlichen Sorten. Diese zickigen Rebsorten richtig zu kombinieren, das verlangt viel Erfahrung, so klingt es. Doch, da das Jahr 2003 auch in Südfrankreich im Sommer von Hitze und Trockenheit geprägt war, war Fäulnis sicherlich kein Thema, eher eine niedrige Säure. Das erklärt, warum die Rebsorten Bourbulenc und vermutlich auch Ugni-Blanc eingesetzt wurden.




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